Stellungnahme

Fachverband evangelische Altenhilfe in Bayern

Fachverband evangelische Altenhilfe in Bayern

Es war nicht zuletzt der medizinische Fortschritt, der die Hoffnung weckte, Leiden immer weiter hinauszuzögern. Der Tod wurde dabei zunehmend zu einem verdrängten Thema. Sterben fand immer häufiger hinter verschlossenen Türen statt, in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, fern vom gewohnten Leben. Wertvolles ging verloren: Nähe, Zuwendung, Zeit, und das bewusste Abschiednehmen.

Memento mori – bedenke, dass du sterben wirst. Diese Erinnerung war über Jahrhunderte Teil des Lebens und sollte nicht ängstigen, sondern zur bewussten Gestaltung des Hier und Jetzt anregen.  Heute wächst erneut das Bewusstsein dafür, dass Sterben zum Leben gehört und Verdrängung keine Sicherheit schafft. Stattdessen entsteht der Wunsch nach Annahme, Orientierung und würdevoller Begleitung in der letzten Lebensphase, mit Raum für Beziehungen, Gespräche und individuelle Abschiede.

Die Hospiz- und Palliativarbeit hat diesen Perspektivwechsel maßgeblich geprägt. Sie richtet den Blick auf den ganzen Menschen und schafft Räume, in denen nicht nur Symptome gelindert, sondern auch Beziehungen gepflegt und Biographien gewürdigt werden.

So individuell jeder Mensch ist, so unterschiedlich sind auch die Formen des Abschiednehmens, denen Raum gegeben werden muss.

Der Fachverband Evangelische Altenhilfe in Bayern e.V. ist ein Zusammenschluss von rund 150 Trägern der Altenhilfe und Altenarbeit, die dem Diakonischen Werk Bayern angehören. Unsere Mitgliedseinrichtungen begleiten täglich alte, pflegebedürftige und schwer erkrankte Menschen, häufig auch am Lebensende. Der Fachverband versteht sich auch als fachliche und ethische Stimme seiner Mitglieder.

Aus diesem Selbstverständnis heraus ist die Stärkung hospizlicher und palliativer Angebote für uns ein zentrales Anliegen. Als evangelischer Fachverband handeln wir mit der Überzeugung, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes ist – geliebt und angenommen vom Anfang bis zum Ende seines Lebens. Diese Haltung prägt auch unser Verständnis von Pflege und Begleitung am Lebensende. Die Mitgliedschaft im Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnis ist für uns daher folgerichtig. Das Bündnis bringt Akteurinnen und Akteure aus Kirche, Pflege, Medizin, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, stärkt Vernetzung und fachlichen Austausch und setzt sich für eine flächendeckende, qualitätsgesicherte und für alle zugängliche Hospiz- und Palliativversorgung ein. Zugleich verleiht es den Anliegen sterbender Menschen und ihrer Angehörigen eine wichtige Stimme in der Öffentlichkeit.

Das Engagement im Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnis bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen – für gute Rahmenbedingungen, für eine Kultur der Achtsamkeit und für ein würdevolles Sterben als selbstverständlichen Teil eines gelebten Lebens.