Neue Vergütung für die Palliativversorgung

Neue Vergütung für die Palliativversorgung

Landshut / Berlln, 14. August 2017 – Im Januar hatten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband eine Vereinbarung zur palliativmedizinischen Versorgung abgestimmt. Jetzt hat sich der Bewertungsausschuss auf neue Honorarziffern für diese “besonders qualifizierte und koordinierte palliativmedizinische Versorgung” geeinigt. Der Beschluss sieht acht neue Gebührenordnungspositionen vor, die ab Oktober im neuen Abschnitt 37.3 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) aufgeführt sind.

Die Honorierung erfolgt extrabudgetär. Ärzte benötigen für die Berechnung bestimmter Leistungen, zum Beispiel der Koordinationspauschale, eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Die Anforderungen dazu sind in der Anlage 30 zum Bundesmantelvertrag geregelt.

Zu den neuen Leistungen gehört die palliativmedizinische Ersterhebung, bei der der Arzt den individuellen palliativen Bedarf des Patienten ermittelt, zum Beispiel für eine Schmerztherapie. Die Leistung wird mit 41,28 Euro (GOP 37300: 392 Punkte) vergütet und kann einmal im Krankheitsfall abgerechnet werden. Für die Koordination der palliativmedizinischen und -pflegerischen Versorgung erhalten die teilnehmenden Haus- und Fachärzte einen Zuschlag zur Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale von 28,96 Euro (GOP 37302: 275 Punkte).

Zuschlag für Besuchsbereitschaft
Erfolgt die palliativmedizinische Betreuung des Patienten zu Hause, im Pflegeheim oder im Hospiz, können Ärzte Zuschläge zu den Hausbesuchen von jeweils 13,05 Euro (124 Punkte) berechnen. Die Vergütung (GOP 37305) erfolgt als Zuschlag zum Besuch (GOP 01410) oder Mitbesuch (GOP 01413) und ist je vollendete 15 Minuten berechnungsfähig. Der Zuschlag kann bis zu sechsmal am Behandlungstag, also für Besuche von bis zu 1,5 Stunden, berechnet werden. Längere Telefonate mit dem Pflegepersonal, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Angehörigen außerhalb der Sprechstundenzeiten werden ebenfalls vergütet (Gap 37318: 213 Punkte / 22,43 Euro).

Die KBV konnte ferner erreichen, dass die Ärzte für die telefonische Erreichbarkeit und Besuchsbereitschaft außerhalb der Sprechstundenzeiten eine einmalige Vergütung von 150 Euro erhalten. “Gerade in den letzten Tagen des Lebens kann es eine kritische Phase geben, wo es wichtig ist, dass der Patient und seine Angehörigen wissen, dass sie im Notfall auch nachts oder am Wochenende ihren Arzt konsultieren können”, erläuterte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Stephan Hofmeister. Die Abrechnung erfolgt über die GOP 37317 (1.425 Punkte).

Ein weiterer Bestandteil des neuen EBM-Abschnitts 37.3 ist eine Pauschale für die konsiliarische Erörterung komplexer Fragestellungen. Konsiliarisch tätige Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Palliativmedizin können diese GOP abrechnen (GOP 37314: 106 Punkte / 11,16 Euro), wenn sie von einem palliativmedizinisch betreuenden Haus- oder Facharzt wegen einer speziellen Fragestellung zu Rate gezogen werden, den Patienten selbst aber nicht sehen.

Hintergrund der neuen Vereinbarung ist das Hospiz- und Palliativgesetz aus dem Jahr 2015. Der Gesetzgeber hatte der KBV und Krankenkassen damit den Auftrag erteilt, im Bundesmantelvertrag die Voraussetzungen für eine besonders qualifizierte und koordinierte palliativmedizinische Versorgung festzulegen. Ziel ist es, die Übergänge zwischen kurativer Behandlung und palliativmedizinischer Versorgung fließender zu gestalten. Zudem soll die Palliativversorgung flächendeckend etabliert werden.

An der neuen Vereinbarung können alle Haus- und Fachärzte teilnehmen, wenn sie die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen erfüllen. Die notwendigen theoretischen und praktischen palliativmedizinischen Kenntnisse haben KBV und Kassen in der Vereinbarung beschrieben. Ärzte können bei ihrer KV beantragen, an dieser Versorgung teilzunehmen. © ntt/aerztebtatt.de

Bildquelle: Michael Grabscheit pixelio.de