Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerke in Bayern: Gesundheitliche Versorgungsplanung wird Realität

Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerke in Bayern: Gesundheitliche Versorgungsplanung wird Realität

Landshut, den 16. Mai 2016 – Das Treffen der regionalen Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerke (HPVN) in Bayern am 13. Mai in Landshut stand ganz im Zeichen der “Advanced Care Planning” – kurz ACP. Dabei geht es um die individuelle Planung der eigenen Hospiz- und Palliativversorgung am Ende des Lebens. ACP ist durch das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) in Deutschland zu einem gesetzlichen Anspruch geworden. Aufgeklärte Patientinnen und Patienten begeben sich in ambulante und stationäre Einrichtungen und möchten zunehmend selbst festlegen, welche Behandlungen vorgenommen oder unterlassen werden.

Gelebte Zusammenarbeit der Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerke auf Grundlage des Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnisses (BHPB). (v.l.): Christa Neef (HPVN Südfranken), Dr. Erich Rösch (BHPV), Dr. Gisela Schiller (HPVN Region Fürth) und Karl Filsinger (HPVN Rachel-Rusel).

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“Wenn Patientinnen und Patienten beziehungsweise deren juristische Vertreterinnen und Vertreter ihren gesetzlichen Anspruch wahrnehmen und diesen Willen formulieren, dann reagieren sie und ihre Angehörigen auch darauf, wenn gegen diesen formulierten Willen gehandelt wird”, stellt Dr. Erich Rösch, Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes (BHPV) fest. Der Forderung nach einer Umsetzung des Patientenwillens müsse deshalb unbedingt begegnet werden. Die begleitenden und betreuenden Fachpersonen des Gesundheits- und Pflegebereiches vor Ort müssten jedoch auf diese Situation noch besser vorbereitet werden, wobei die Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerke (HPVN) in Bayern auf regionaler Ebene helfen können.

Die HPVN in Bayern unterstützen Landkreise, Städte und Gemeinden beim Aufbau und bei der Koordination hospizlicher und palliativer Netzwerkstrukturen vor Ort unter Berücksichtigung gewachsener Strukturen. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau einer flächendeckenden Versorgung mit Palliative Care-Angeboten und deren Vernetzung mit vorhandenen örtlichen Strukturen und Gegebenheiten. Die HPVN sind im Zuge des Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnis (BHPB) entstanden. Dieses Bündnis ist eine Kooperation zwischen dem Bayerischen Hospiz- und Palliativverband und den großen Wohlfahrtsverbänden. Ziel ist der Aufbau einer landesweiten trägerneutralen Beratungsstruktur für die Belange der allgemeinen und spezialisierten ambulanten und stationären Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern. Das BHPB wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) gefördert. Das Bündnis arbeitet mit vereinten Kräften an einer der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit: Immer mehr Menschen sind von unheilbaren, fortschreitenden Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit betroffen. Beide Verläufe sind länger und komplexer geworden, so dass sich die letzte Lebensphase verlängert hat.

Die Gesundheitsversorgung in Bayern trägt dieser veränderten Situation heute noch zu wenig Rechnung. Menschen in der letzten Lebensphase leiden oft an einer ungenügenden Symptomlinderung, psychischen oder seelischen Problemen, ihre Wünsche – zum Beispiel in der eigenen häuslichen Umgebung zu sterben – können nicht ausreichend berücksichtigt werden. Deshalb braucht Bayern ein abgestuftes Angebot allgemeiner und spezialisierter ambulanter und stationärer Hospiz- und Palliativversorgung. Der Aufbau und die Vorhaltung dieser Angebote ist personal- und kostenintensiv. Deshalb bedarf es einer sorgfältigen aufeinander abgestimmten Planung und einer gesicherten angemessenen Finanzierung.

Die Mitglieder des Versorgungsnetzes haben sich zusammengeschlossen, um in ihren Landkreisen die hospizliche Betreuung der Menschen zu sichern und auszubauen. Zudem sollen die allgemeine und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung sichergestellt werden. Weitere Ziele sind die Verbesserung der stationären hospizlichen Versorgung sowie das Nutzen von Synergieeffekten.

Hintergrund: Bayerischer Hospiz- und Palliativverband (BHPV)

Der Bayerische Hospiz- und Palliativverband (BHPV) ist die Landesvertretung der Hospiz- und Palliativarbeit in Bayern und wurde im Jahr 1991 als Landesverband der bayerischen Hospiz- und Palliativeinrichtungen gegründet. Er informiert und unterstützt seine Mitglieder, sichert den Erfahrungsaustausch zwischen seinen Mitgliedern und bietet organisatorische und inhaltliche Hilfestellungen an. Dazu gehören vor allem die Information der Mitglieder beim Aufbau und Betrieb ambulanter und stationärer Dienste, bei allgemeinen Verhandlungen über Entgelte für stationäre und ambulante Hospiz- und Palliativarbeit und sonstige Unterstützungsleistungen für Mitglieder.

Zudem wirkt der BHPV als Interessenvertretung gegenüber Gesellschaft, Politik und Kostenträgern. Gemeinsam mit den bayernweiten Trägern der Freien Wohlfahrtspflege und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft hat der BHPV das bundesweit bislang einmalige Bayerische Hospiz- und Palliativbündnis (BHPB) ins Leben gerufen. Das BHPB fokussiert sich auf die flächendeckende Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen in Bayern sowie die Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen. Weitere Informationen unter: www.bhpb.org.

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