Hospiz- und Palliativkongress: „Leben ist eine echte Alternative“

Hospiz- und Palliativkongress: „Leben ist eine echte Alternative“

Unter dem Titel „ Leben ist eine echte Alternative“ tagte am 21.10.2015 der Bayerische Hospiz- und Palliativkongress in Nürnberg. Rund 250 Besucherinnen und Besucher erlebten im Messezentrum Nürnberg ein vielfältiges Programm. Spannende Vorträge zu vielen Facetten der hospizlich-palliativen Versorgung reihten sich aneinander, Erreichtes wurde reflektiert, dringliche Verbesserungen eingefordert.

Gleich eingangs unterstrich Schirmherrin Annette Widmann-Mauz MdB, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, das Ziel: „Wir wollen erreichen, dass überall da, wo Menschen sterben, hospizliche Hilfe und Palliativmedizin verfügbar sind“ – auch in strukturschwachen und ländlichen Regionen Bayerns; der Netzwerkgedanke beim Aufbau der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung SAPV müsse auch auf breiter Ebene der haus- und fachärztlichen Regelversorgung und somit der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung / AAPV verankert werden. Die Antwort auf die Herausforderungen am Ende des Lebens bestehe nicht in so genannter „Sterbehilfe“, sondern in verlässlich zugänglicher hospizlich-palliativer Hilfe im Sterben.

Ministerin Melanie Huml erinnerte daran, dass sich Bayern als erstes Bundesland zur Charta zur Betreuung schwerst-kranker und sterbender Menschen bekannte.

Die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml erinnerte daran, dass Bayern bereits seit 2012 – damals als erstes Bundesland – die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen umsetzt und zeigte auf, wie in den vergangenen Jahren im Freistaat ein Netzwerk von hospizlichen und palliativen Angeboten gewachsen ist: In 94 Krankenhäusern entstanden palliativmedizinische Einheiten, und laut der Ministerin kümmern sich in Bayern 36 SAPV-Teams um Todkranke, davon vier um sterbende Kinder. Außerdem gibt es über 130 Hospizvereine und an die 7000 in der hospizlichen Hilfe aktive Ehrenamtliche.

Alois Glück, Vorsitzender des Netzwerks Hospiz Südostbayern, sieht großen Nachholbedarf bei der allgemeinen ambulanten palliativmedizinischen Versorgung in Bayern.

Wie ein roter Faden zog sich die Forderung nach Stärkung der AAPV durch die Veranstaltung. Hier konstatierte Alois Glück als Vorsitzender des Netzwerks Hospiz Südostbayern und Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken einen großen Nachholbedarf – dies wiege ebenso schwer wie die Sorge um die zukünftige hausärztliche Versorgung. So sei die AAPV bislang immer noch keine Kassen-leistung Als besonders wichtig bezeichnete er Veränderungsprozesse gerade auch in der Versorgung der Sterbenden in Alten – und Pflegeheimen. Dringlich sei eine Verbesserung der Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen wie stationäre und ambulante Pflege, hausärztliche Versorgung und ärztliche Bereitschaftsdienste – ein Aspekt der hospizlich-palliativen Versorgung, den später auch Dr. Erich Rösch als Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands betonte. Es dürfe kein „Zwei-Klassen-Sterben“ in der Konkurrenz zwischen Hospiz und Pflegeheim geben, so Frank Kittelberger, Studienleiter in der evangelischen Akademie Tutzing und neuer Vorsitzender des BHPV, und forderte die Implementierung der Hospizkultur in die Altenpflege.

Auch Angelika Pfab, Vorstand Evang. Pflegedienst München e.V. und Vorsitzende des Fachverbands Evangelische Altenhilfe in Bayern, wies auf die Herausforderungen und Grenzen in der ambulanten Pflege hin. Für 85 – 90 Prozent der Sterbenden sei die AAPV die Regelversorgung – dies müsse sich endlich im Stellenwert dieser Versorgung abbilden und die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Hausärzten und Pflegekräften müsse gefördert und gestärkt werden.

Herausragend war der Beitrag von Maximiliane Eisenmann vom Caritasverband für die Diözese Augsburg und Bernhard Sontheimer, Pflegedienstleiter im Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg. Die beiden Referenten stellten das Handbuch: „In Würde. Bis zuletzt. Hospizliche und palliative Begleitung und Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung” vor und verdeutlichten anschaulich und mitreißend die Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunikation über Schmerzen, belastende Symptome und den persönlichen Willen der Betroffenen, die oft betonen: „Ich möchte gefragt werden“.